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Projektvorstellung: Studienorientierung an der Schule
„Wir wollen Hochschule greifbar machen“

Das Angebot an Studiengängen ist riesig. An der Schule dazu eine umfassende Beratung durchzuführen, stellt eine Herausforderung dar. Das Ricarda-Huch-Gymnasium in Gelsenkirchen geht diesen Weg und lädt Hochschulen ein, vor Ort über alle Themen rund ums Studium aufzuklären. Wie funktioniert das? Interview mit Berufskoordinator Stefan Jelak.

Herr Jelak, Ihre Veranstaltung zur Studienorientierung ist schon deshalb etwas Besonderes, weil Sie dazu auch Gymnasiasten anderer Schulen eingeladen haben. Wie kam es dazu?

Eine Fortbildung an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen war der Startschuss. Mit der Studienberatung haben wir überlegt, was wir gemeinsam auf die Beine stellen könnten. Daraus entstand unser Konzept. Ich stellte es bei einer KAoA-Dienstbesprechung vor, dann fand die Premiere statt. Inzwischen nehmen alle Gymnasien im Gelsenkirchener Süden teil, der Tag ist fest etabliert und in dieser Form einmalig im Regierungsbezirk. Beteiligt sind die Studienberater der Westfälischen Hochschule, der Universität Münster sowie der Fachhochschule Münster.

Was genau passiert an dem Tag?

Nach einem Auftakt in der Aula wählen die Jugendlichen interessengeleitet Workshops: Studienmöglichkeiten und Abschlüsse, Unterschiede zwischen Universität und Hochschule, spätere Berufsfelder oder Studienfinanzierung. Aber auch: Wie nutze ich das Internet bei der Recherche? Wie läuft das Bewerbungsverfahren ab? Nach den Workshops kommen alle wieder zusammen. Insgesamt nehmen wir uns dafür sechs Unterrichtsstunden Zeit. Studium soll konkret und praxisnah werden.

Wenn baldige Schulabgänger mit einem Studium liebäugeln, tauchen ja direkt mehrere Fragen auf, die es in sich haben. Wo drückt den Teilnehmern dieses Jahr besonders der Schuh?

„Was will ich studieren?“ ist längst nicht die einzige Frage. Viele beschäftigt auch: Schaffe ich ein Studium überhaupt? Bin ich den Anforderungen gewachsen? Gerade für Jugendliche aus Familien, in denen ein Studium nicht selbstverständlich ist, sind solche Fragen wichtig. Deshalb wollen wir Hochschule greifbar machen und Zutrauen schaffen.

Immer stärker belastet junge Studienanfänger, dass die Mieten in den Städten immer teurer werden. War die Finanzierung bei der Veranstaltung auch ein Thema?

Ja, unbedingt. Wobei man differenzieren muss: Viele unserer Schüler wohnen zunächst weiter bei ihren Eltern und nutzen Hochschulen in der Region. Dann bleiben die Kosten überschaubar. Schwieriger wird es, wenn der Wunschstudiengang einen Umzug in eine teure Hochschulstadt erfordert. Deshalb gehört die Frage „Was kostet ein Studium und wie finanziere ich es?“ selbstverständlich dazu.

Welche Tipps haben Sie, was die Organisation eines solchen Beratungstags betrifft?

Vernetzen, vernetzen, vernetzen. Als Lehrkraft bin ich erst einmal Lehrer und kein ausgebildeter Berufs- oder Studienberater. Deshalb braucht man gute Partner und muss sich Expertise ins Haus holen. Und dann muss man auch mal machen: einen passenden Termin finden, Räume organisieren, das Kollegium mitnehmen. Natürlich ist das Aufwand. Aber zur Aufgabe des Gymnasiums gehört neben der fachlichen Bildung auch, Studierfähigkeit zu vermitteln. Wie sollen Jugendliche herausfinden, ob ein Studium zu ihnen passt, wenn Hochschule für sie abstrakt bleibt? So ein Tag ist für mich kein verlorener Unterricht. Man muss sich nur trauen, so etwas anzustoßen.

Mehr Infos

Vollbesetzte Stuhlreihen am Studieninformationstag des Ricarda-Huch-Gymnasiums in Gelsenkirchen
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