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Ins Ausland
Voluntourismus oder doch Freiwilligendienst?

„Schildkröten-Projekt für 2 Wochen in Ghana“: Das ist nur eines von vielen Angeboten der sogenannten „Voluntourismus“-Branche. Die Projekte sehen attraktiv aus – es gibt jedoch auch Schattenseiten. Neben kommerziell geprägten Angeboten gibt es auch andere Möglichkeiten, als Freiwillige:r andere Länder und Lebensrealitäten kennenzulernen.

Ein Beitrag von Fiona David

„Voluntourismus“ setzt sich zusammen aus „Volunteering“ (Freiwillige Tätigkeit) und „Tourismus“. Dabei wird die Möglichkeit suggeriert, mit Abenteuer und Spaß in kurzer Zeit die Welt zu entdecken und gleichzeitig etwas Gutes zu tun. Das kostet meist mehrere Hundert Euro pro Woche. Die Bereitschaft, sich in anderen Teilen der Welt für Menschen, Umwelt oder Tiere einzusetzen, dabei Sprachkenntnisse zu verbessern und interkulturelle Erfahrungen zu machen, ist lobenswert. Einige kommerzielle Vermittlungsagenturen sehen jedoch im Engagement junger Menschen v. a. ein lukratives Geschäft. Angebote werden entsprechend der Interessen der (oft minderjährigen) Teilnehmenden zusammengestellt. Im Trend sind kurze Auslandsaufenthalte in sozialen oder ökologischen Projekten in Ländern des Globalen Südens. Um die steigende Nachfrage zu bedienen, werden manche Angebote sogar künstlich erzeugt, z. B., indem Kinder von ihren Familien getrennt und in Waisenhäusern untergebracht werden, wie Recherchen u.a. von „ZDFzoom“ in Kambodscha seinerzeit ergeben hatten.

Problematisch ist hier häufig die meist nicht vorhandene Qualifikation der jungen Freiwilligen für die Arbeit im Projekt sowie – ganz im Gegensatz zu geförderten Freiwilligendiensten – eine oft mangelhafte oder sogar fehlende Vor- und Nachbereitung des Auslandsaufenthaltes und Begleitung während des Dienstes. Dies ist jedoch sehr sinnvoll, u. a. um den sogenannten „White Saviour Complex“ zu vermeiden: Dieser beschreibt die Vorstellung von Menschen, dass die Herkunft, Erziehung und Bildung in einem Land des Globalen Nordens dazu berechtigt, andere Menschen zu „belehren“ oder zu „retten“. Zur guten Vorbereitung auf den Auslandsaufenthalt gehört daher eine kritische Reflexion über die Motivation zu diesem Dienst, zu den eigenen Fähigkeiten und deren Bedeutsamkeit für das Projekt. Voluntourismus-Angebote beinhalten meist weder diese Möglichkeit noch eine Unterstützung zur Verarbeitung der Erfahrungen nach der Rückkehr aus dem Ausland.

Wer sich trotz der genannten Problematiken für ein solches Angebot interessiert, sollte sich erkundigen, wie viel vom Reisepreis tatsächlich dem Projekt im Ausland zugutekommt. Außerdem ist eine Recherche über die beteiligten Organisationen zu empfehlen.

Ist nur ein kurzer Aufenthalt im Ausland möglich, gibt es noch andere Möglichkeiten wie z. B. Freiwilligen-Teams im Rahmen des Europäischen Solidaritätskorps (ESK) oder WWOOF („World Wide Opportunities on Organic Farms“): Für freiwillige Arbeit und Tätigkeit auf ökologischen Bauernhöfen gibt es kostenlose Unterkunft und Verpflegung. So lassen sich für wenig Geld ebenfalls andere Länder und Lebensrealitäten kennenlernen. Vielleicht ist aber doch ein längerer Auslandsaufenthalt machbar: Dann steht eine große Auswahl an geförderten Freiwilligendiensten (wie weltwärts, das ESK oder der Internationale Jugendfreiwilligendienst IJFD) zur Verfügung, inklusive der o. g. Unterstützung. Für Minderjährige können Workcamps eine gute Option sein.
Orientierung im Dschungel der Möglichkeiten bezüglich Auslandsaufenthalte bietet Eurodesk: Hier werden junge Menschen kostenlos, neutral und persönlich informiert und beraten. Lehrer:innen können an einer der Mobilitätslots:innen-Schulung von Eurodesk teilnehmen, um selbst gut informieren und beraten zu können. Auf der Website von Eurodesk Deutschland www.rausvonzuhaus.de, in den Social-Media-Kanälen und im rausvonzuhaus-Newsletter gibt es weitere Informationen z. B. darüber, welche Programme zur Verfügung stehen, welche Qualitätskriterien bei der Auswahl einer Organisation zu beachten sind sowie eine Seite zu „Voluntourismus“.

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