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Berufsorientierung in Förderschulen
„Die Berufsorientierung ist ab Klasse 7 ein zentrales Thema“

Wo liegen die Unterschiede in der BO-Arbeit je nach Schultyp? Wir fragten nach bei Louisa Wehebrink, die als Co-Autorin ein Buch über die Berufsorientierung an Förderschulen geschrieben hat.

Frau Wehebrink, mit dem sich verschärfenden Fachkräftemangel befinden sich Schulabgänger:innen heutzutage in einer besseren Ausgangssituation als früher, was das Angebot an Ausbildungen betrifft. In welchem Maße profitieren davon auch die Absolvent:innen von Förderschulen?

Es ist für unsere Schüler:innen inzwischen „einfacher“ einen Ausbildungsplatz zu erhalten. Dies ist aber immer noch sehr abhängig von den Schüler:innen und ihrem Auftreten sowie das persönliche Engagement, was sie z.B. durch Praktika in ihren Wunschfirmen beweisen. Dies ist und bleibt der vorrangige Einstieg für unsere Schüler:innen auf dem ersten Arbeitsmarkt, die an unserer Schule nach 10 Jahren ihren Hauptschulabschluss bzw. nach 9 Jahren ihren Förderschulabschluss im Förderschwerpunkt Lernen erhalten können.

Sie haben an einem Buch mitgeschrieben, das im Herbst 2023 erscheint und die Berufsorientierung an Förderschulen zum Gegenstand hat. Was ist das Besondere an diesem Thema, das gleich ein ganzes Buch erscheinen kann?

Die Berufsorientierung ist in den Jahrgängen ab Klasse 7 ein zentrales Thema für die Zukunft der Schüler:innen. Dies gilt sowohl für den allgemeinbildenden Bereich als auch für die Förderschulen. Gerade aber für die Schüler:innen unseres Förderschwerpunktes ist eine umfassende und fundierte Berufsorientierung wichtig, da sie besondere Unterstützung benötigen, um ihren Weg zu finden. Oftmals fehlt hier z.B. die Unterstützung zu Hause, von der andere Schüler:innen profitieren können. Die Schule ist da noch mehr gefordert, um diese Schüler:innen entsprechend bei der Berufsorientierung zu unterstützen. Die Wege und Möglichkeiten, um im favorisierten Bereich zu arbeiten, sind oftmals vielfältig. Dafür brauchen gerade die Förderschüler:innen mehr Unterstützung, um sich zurecht zu finden. Nicht zuletzt ist dieser Titel auch eine Möglichkeit, um sich überhaupt mit den eigenen Kompetenzen auseinander zu setzen und diese sichtbar und erlebbar zu machen. Oft wissen unsere Schüler:innen weder, was mit Kompetenzen wie „Kommunikationsfähigkeit“ gemeint ist, noch, inwiefern diese überhaupt „messbar“ und „erlebbar“ ist. Daher wird der Fokus im ersten Teil des Buches auf die Schüler:innen und ihre Kompetenzen gelegt.

Welche Maßnahmen außerhalb der dualen Ausbildung sind es, die für Förderschüler:innen ganz besonders wichtig sind?

Alles, was im Bereich „weitere Berufsvorbereitung und Orientierung“ denkbar ist. Und – Zeit. Zeit, sich zu entwickeln, Zeit, Dinge nachzuholen, die sie aufgrund verschiedenster Umstände vielleicht verpasst haben. Modelle, die diese „Zeit“ geben, sind zum Beispiel für das Bundesland Niedersachsen das Berufsvorbereitungsjahr an der BBS. Ein enger Austausch mit den Lehrkräften der Berufsschule ist deswegen ebenso sehr wichtig und in der Regel auch sehr gewinnbringend für alle Beteiligten.

Wie würden Sie insgesamt die Situation für SuS mit sonderpädagogischem Förderbedarf beschreiben, was die Berufsorientierung und die berufliche Förderung betrifft? Hat sich die Situation in den letzten Jahren verbessert oder eher nicht?

Ich bin der Ansicht, dass sich die Berufsorientierung und die engere Zusammenarbeit mit den Berufsschulen sowie außerschulischen Stellen wie die Agentur für Arbeit durchaus verbessert hat. Die Möglichkeiten für unsere Schüler:innen zur umfassenden Orientierung sind dadurch deutlich gewachsen. Die berufliche Förderung ist meiner Ansicht nach weiterhin sehr abhängig von den betreuenden Personen und ihren Willen, sich auf die Arbeit mit Schüler:innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf einzulassen. Generell ist aber an vielen Stellen durch die langjährige Zusammenarbeit mit bestimmten Firmen und Ausbildungsstätten in unserer Umgebung zu merken, dass dieser Wille vorhanden ist und unsere Schüler:innen durch ihre oftmals sehr erfolgreichen Praktika in diesen Ausbildungsstätten schneller und einfacher einen für sie passenden Platz finden können.

Vielen Dank für das Gespräch!

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