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Medienberufe
„Die Halbwertszeit von Berufsbildern wird sich weiter verkürzen“

Der Berufswunsch „Irgendwas mit Medien“ ist seit Jahren sehr populär, weshalb es auch zahlreiche Ausbildungsangebote rund um das Medienangebot gibt. Doch wie hat sich mit der Medienwelt auch das Ausbildungsangebot verändert? Wo ist die Nachfrage nach ausgebildetem Nachwuchs besonders groß? Wir fragten nach bei Andreas Balfanz von der bm – gesellschaft für bildung in medienberufen.

Herr Balfanz, seit der Gründung der bm hat sich in der Medienwelt einiges verändert. Viele Medien kamen dazu, einige sind ausgestorben. Wie reagiert man auf solche Entwicklungen als Ausbildungsinstitution?

Als 1997 die bm damit begann, junge Menschen fit für die Medienwelt zu machen, wurde Internet-Nutzung noch über einen Minutenpreis abgerechnet! Großes Thema in der Medienbranche war die boomende lineare private TV-Landschaft. Und Gaming machte mit dem Aufkommen der PlayStation 1 den ersten richtig großen Schritt Richtung Massenmarkt. Heute haben Menschen Flatrates, das Internet ist das Medium schlechthin geworden: Hier wird eingekauft, hier informiert man sich und hier wird nach Unterhaltung gesucht. Wenn ich heute Lust habe, einen bestimmten Film zu schauen, muss ich nicht mehr warten, dass dieser auf Sender X oder Y als Kino-Blockbuster läuft – ich streame ihn einfach bei einem Dienstleister meines Vertrauens.

Hat dieses veränderte Nutzungsverhalten neue Berufsbilder entstehen lassen?

Ja klar. Die Ausbildungen „Kaufmann/-frau im E-Commerce“ oder „Kaufmann/-frau für Audiovisuelle Medien“ spiegeln das eindrucksvoll wider. Diese Berufsbilder gab es vor einigen Jahren nicht und genauso ist es mit den Bildungsgängen an unserer School of Games. Gaming ist das bestimmende Unterhaltungsmedium unserer Zeit und mit Abstand vor allen anderen Angeboten führend. Dementsprechend haben junge Menschen heute häufiger den Wunsch, an der Spieleproduktion mitzuwirken, als z. B. an Filmen. Wir als bm haben diese Trends immer früh erkannt und unser Angebot an die Zeit angepasst.

Muss man Ihrer Meinung nach Angst haben, dass es künftig weniger Jobs für Medienleute gibt? Einfach weil Redaktionen zusammengestrichen und jetzt auch noch im Bereich Social Media Stellen gekürzt werden?

Jobprofile werden sich auch in der Zukunft verändern. Vermutlich wird die Halbwertszeit von Berufsbildern sich weiter verkürzen. Grundsätzlich kann man aber beobachten, dass durch neue Technologiezyklen neue Berufsbilder aufkommen und bestehende fortfallen. Hier ist es auch unsere Aufgabe als Bildungseinrichtung, genau zu beobachten, was „Draußen“ passiert und darauf zu reagieren.

Es war noch nie in den vergangenen Jahrzehnten einfach, Praktika in Unternehmen, insbesondere aber in Studios oder Redaktionen zu finden. Können Sie als Ausbildungseinrichtung hier helfen?

Diese Aussage können wir so nicht teilen. Unsere Teilnehmer:innen suchen je nach Ausbildungsgang Ausbildungsplätze oder mehrmonatige Praktika. Wir haben ein Career-Center bei uns im Hause, das unsere Teilnehmenden in die Praxis vermittelt und haben zudem hervorragende Kontakte in alle relevanten Branchen, auch deshalb, weil die meisten unserer Dozenten aus der Praxis kommen. Unser Ausbildungsmodell ist so aufgebaut, dass unsere Teilnehmer/innen bei ihrem Eintritt in die Praxisphase bereits umfangreiche theoretische Kenntnisse erworben haben – das unterscheidet sie von anderen Bewerber/innen und verschafft Vorteile.

Welche Berufsbilder sind aktuell bei Ihren Schülerinnen und Schülern am beliebtesten?

Wir merken schon sehr, dass die neuen Berufsbilder etwas stärker nachgefragt werden als die etablierten. Letztlich hängt es aber sehr stark vom Alter der Teilnehmenden ab. An unserem Berufskolleg für Medienberufe bieten wir mit den Abschlüssen „Gestaltungstechnische/r Assistent:in“ oder „Informationstechnische/r Assistent:in“ mit dem zusätzlichen Erwerb der Fachholschulreife eine immens attraktive Qualifizierungskombination an, die sich ungebremster Beliebtheit erfreut. An der School of Games beobachten wir nach den coronabedingten Einschränkungen wieder einen starken Anstieg nach unseren Ausbildungsgängen „Game Artist“ und „Game Programmer“ – gleiches gilt auch für die Berufsbilder mit IHK-Abschluss an der Berufsakademie für Medienberufe.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Balfanz!

www.medienberufe.de

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