Patenschaften und Mentoring in der BO
„Ausgerechnet die, die am meisten profitieren würden, erreichen wir immer schwerer“

In Deutschland gibt es zahlreiche Patenschaft- und Mentoringprogramme für junge Menschen. Das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat im Rahmen der Initiative „Aktion zusammen wachsen“ eine Projektdatenbank erstellt, die eine zentrale Auskunft darüber ermöglicht. Welche Rolle spielen Projekte, die der Berufsorientierung dienen? Ein Gespräch mit Susanne Huth vom involas Institut für berufliche Bildung, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik, die eine Studie zu diesem Thema im Auftrag der AZW durchgeführt hat.
Frau Huth, in der Programm-Datenbank des BMBFSFJ sind rund 700 Programme gelistet, die Patenschaften und Mentoring für junge Menschen anbieten oder vermitteln. Rund die Hälfte aller gemeldeter Projekte hat nach Filterung etwas mit Berufsausbildung zu tun. Wie schwer fällt es Ihnen als Studienautorin, sich angesichts der Fülle und Heterogenität einen Überblick zu verschaffen?
Ehrlich gesagt: leicht ist das nicht. Die Landschaft ist riesig und sehr heterogen – vom kleinen Ehrenamtsprojekt bis zum bundesweiten Programm mit dutzenden Standorten. Wir haben deshalb die Datenbank systematisch ausgewertet und mit Literaturrecherche, Expertengesprächen und Fokusgruppen kombiniert. Dann entsteht ein Bild: stark westdeutsch und großstädtisch geprägt, nur rund neun Prozent der Einträge kommen aus Ostdeutschland.
Die Liste macht deutlich, dass hier vor allem Städte und Kommunen aktiv sind und lokal dann auch mit den Schulen zusammenarbeiten. Ist es aus Ihrer Sicht sinnvoll, dass hier jeder sein eigenes Süppchen kocht? Und kann die Datenbank bewirken, dass sich die Initiativen gegenseitig etwas abschauen?
Das würde ich so nicht sagen. Lokale Verankerung ist gerade am Übergang Schule-Beruf eine Stärke – man kennt die Schulen, die Betriebe, die Jugendberufsagentur. Problematisch ist eher, dass viele parallel dieselben Fragen lösen. Genau da kann die Datenbank der Aktion zusammenwachsen helfen: sichtbar machen, wer was macht. Dafür müsste sie moderner sein, etwa mit interaktiver Landkarte.
Konnten Sie angesichts der Vielzahl der Angebote zu einem Eindruck gelangen, ob Projekte im Bereich der beruflichen Orientierung insgesamt funktionieren, wie man sich das gedacht hat?
Teils, teils. Dass Mentoring wirkt, ist gut belegt – besonders für Jugendliche aus stark benachteiligten Verhältnissen, bis hin zu besseren Arbeitsmarktchancen. Das gilt aber nur bei guter Umsetzung: passendes Matching, verlässliche Begleitung, professionelle Koordination. Schlecht gemachtes Mentoring kann sogar schaden. Und viele Projekte hängen an befristeter Förderung und einzelnen engagierten Lehrkräften.
Es ist bekannt, dass Mentoring-Projekte oft das Problem haben, genügend Mentoren zu finden. Gleichzeitig aber haben Sie jetzt festgestellt, dass es „zunehmend schwieriger ist, Mentees zu gewinnen“ also Jugendliche, die die Angebote nutzen möchten. Warum ist das so?
Ich sag mal so: Die Jugendlichen haben heute sehr viele Angebote und wenig Zeit. Dazu kommen fehlende Zugänge über Schule und Eltern. Bei jungen Menschen mit Fluchterfahrung sehen wir dagegen sehr hohe Motivation. Was hilft: ehemalige Mentees als Botschafterinnen und Botschafter und die Eltern von Anfang an einbeziehen.
Ihre Studie hatte das Ziel herauszufinden, welche Bedarfe es nach BO-Projekten am Übergang nach der Schule gibt. Wie lautet Ihr Fazit, wenn Sie es in wenige Sätze packen müssen? Was muss noch getan werden?
Kurz: Die Projekte leisten viel, arbeiten aber unter zu wackeligen Bedingungen. Wir brauchen den Schritt von der Projekt- zur Strukturförderung, mehr Sichtbarkeit in der kommunalen Bildungslandschaft, Qualifizierung für die neuen Anforderungen – interkulturell, digital, beratend – und gezielte Angebote für ländliche Räume und Ostdeutschland. Und wir brauchen mehr Wirkungsforschung, sonst bleibt Förderung Bauchgefühl.
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