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Mein Weg: Carolin Ackermann
„Man muss nach der Schule noch keinen fertigen Zehnjahresplan haben“

Normalerweise dreht sich hier fast alles um die Themen Ausbildung und Studium und darum, wie man es danach in einen Job schafft. Nun machen wir an dieser Stelle einmal Werbung für eine Gruppe, ohne die in Deutschland nur sehr wenig laufen würde: die Selbstständigen. Doch immer weniger Menschen möchten unternehmerisch tätig werden. Wir trafen Carolin Ackermann, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagte und nun Werbung dafür macht.

Carolin, du hast nach deinem Studium 2018 in Saarbrücken ein Unternehmen angemeldet, das Aufzuchtbecken für Fische entwickelt hat. Das Unternehmen musste im Februar 2026 wieder schließen, weil es nicht so lief wie gedacht. Hast du jetzt ein für alle Mal genug von der unternehmerischen Selbstständigkeit?

Nein, ganz im Gegenteil. Für mich war schon im Studium klar, dass ich selbstständig arbeiten möchte. Unternehmertum ist für mich mehr als ein einzelnes Unternehmen. Es ist eine Art zu denken und zu arbeiten. Deshalb hat auch die Insolvenz daran nichts geändert. Seit Anfang 2026 bin ich solo-selbstständig und begleite innovative Unternehmen dabei, ihre Produkte erfolgreich in den Markt zu bringen. Dabei gebe ich viel von dem weiter, was ich in acht Jahren Startup gelernt habe. Das macht mir großen Spaß und ist sehr erfüllend.

Die Quote der Selbstständigen liegt in Deutschland auf einem Tiefststand, wir sind eines der Schlusslichter in der EU. Kannst du verstehen, dass die meisten Schul- und Hochschulabsolventen*innen eher eine sichere Beschäftigung anstreben, als ins unternehmerische Risiko zu gehen?

Ich kann verstehen, dass viele Menschen sich Sicherheit wünschen. Ich glaube nur, dass wir neu darüber nachdenken müssen, was Sicherheit heute bedeutet. Bei den heutigen Insolvenzzahlen und Herausforderungen für Unternehmen ist auch eine Festanstellung in einem großen Konzern keine Garantie mehr für einen sicheren Job. Für mich liegt Sicherheit deshalb stärker in den eigenen Fähigkeiten: neugierig und informiert bleiben, weiterlernen, Veränderungen wahrnehmen und sich anpassen können. Wer das kann, findet aus meiner Sicht immer wieder neue Möglichkeiten, egal ob angestellt oder selbstständig.

Was uns in Deutschland fehlt, ist eine Begeisterungskultur für die Selbstständigkeit. Das wundert auch nicht, weil es die Bürokratie und viele Auflagen einem schwer machen.

Ehrlich gesagt wussten wir am Anfang gar nicht, was da alles auf uns zukommt. Wir sind direkt aus der Hochschule mit einem EXIST-Forschungstransfer gestartet. Spätestens bei einem 30-seitigen Förderantrag bekommt man eine erste Ahnung. Später kamen Baugenehmigungen, Zertifizierungen und viele weitere Regeln dazu. Vielleicht war es ganz gut, dass wir das vorher nicht alles auf dem Schirm hatten. Was ich über die Jahre im Umgang mit der Bürokratie gelernt habe: Beharrlichkeit hilft. Man darf sich von der ersten komplizierten Antwort, endlosen Fragenkatalogen oder gar Ablehnungen nicht sofort entmutigen lassen. Und ich habe auch engagierte Menschen in Behörden erlebt, die sich über innovative Ideen freuen und Unternehmen wirklich voranbringen wollen.

Wie sahen damals deine Pläne direkt nach dem Schulabschluss aus?

Nach der Schule hatte ich noch keinen konkreten Beruf vor Augen. Ich wusste nur, dass ich studieren möchte. Im Studium Internationales Management habe ich dann gemerkt, wie sehr mich die Businesswelt fasziniert und wie spannend ich es finde, aus Ideen echte Unternehmen zu bauen. Mein Weg ins Unternehmertum ist Schritt für Schritt entstanden. Man muss nach der Schule also noch keinen fertigen Zehnjahresplan haben.

Wohin geht dein Weg jetzt? Hast du schon neue Pläne?

Die ersten Monate dieses Jahres waren noch stark von der Insolvenz und der Abwicklung unseres Unternehmens geprägt. Parallel habe ich meine neue Selbstständigkeit aufgebaut. Dafür habe ich mir bewusst Zeit gegeben, um herauszufinden, wo Bedarf besteht und welche Projekte langfristig zu mir passen. Inzwischen ist die Richtung klarer. Ich arbeite mit innovativen B2B-Unternehmen an Marketing, Strategie und Vertrieb und helfe ihnen dabei, gute Technologien erfolgreich in den Markt zu bringen. Außerdem gebe ich Workshops für Startups und Gründungsteams. Nach acht Jahren mit meinem Agrar-Technologie Startup genieße ich es gerade, wieder neue Branchen, Menschen und Geschäftsmodelle kennenzulernen. Und ich bin gespannt, wohin mich die nächsten Ideen noch führen.

Carolin Ackermann bei LinkedIn

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