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Portrait: AUBI-plus
„Der Wandel ist die einzige Konstante im Ausbildungsmarkt“

Die 1997 gegründete AUBI-plus GmbH gehört heute zu den größten Anbietern von Plattformen rund um die Vermittlung von Ausbildungsplätzen in der DACH-Region. Mit seinen rund 50 Mitarbeitenden bietet das von der Familie Köstring geführte Unternehmen mit Sitz in Hüllhorst eine Online-Jobbörse für Ausbildungsplätze, organisiert jährlich das DEUTSCHE AUSBILDUNGSFORUM und verleiht das Gütesiegel BEST PLACE TO LEARN®️. Wir sprachen mit Geschäftsführer Niels Köstring.

Herr Köstring, AUBI-plus gibt es jetzt seit bald 30 Jahren. Wie schauen Sie auf diese Zeit zurück? Wann gab es aus Ihrer Sicht die größten Veränderungen am Ausbildungsmarkt, auf die Sie reagieren mussten?

Wo soll ich da anfangen? 1997 waren Internetanschlüsse in Privathaushalten eine Rarität. Auf den Schreibtischen der Personaler türmten sich Bewerbungen in Papierform. Beim Thema „Ausbildung“ schwang zuweilen sozialromantisches Pathos mit – frei nach dem Motto: „Wir tun was für junge Menschen.“ Demografische Herausforderungen und der Fachkräftemangel schienen in weiter Ferne. Als ich 2009 bei AUBI-plus einstieg, wurde der Wandel vom Angebots- zum Nachfragemarkt spürbar. Ausbildungsmarketing gewann zunehmend an Bedeutung. Digitalisierung und Social Media veränderten das Such- und Bewerbungsverhalten, inzwischen ist es die KI. Der Wandel ist die einzige Konstante im Ausbildungsmarkt. Deshalb entwickeln wir unsere Lösungen kontinuierlich weiter.

Es gibt heute sehr viele Online-Angebote, Hunderte von Messen bundesweit und dann natürlich zahlreiche staatliche Initiativen rund um die Berufsorientierung. Dennoch brechen viele Azubis und Studierende vorzeitig ab, die Passungsprobleme werden eher größer als kleiner. Warum ist das so?

Berufsinfos ersetzen halt keine praktischen Erfahrungen. Ohne sie fehlt jungen Menschen oft die Erkenntnis, wo die eigenen Stärken liegen. Die hohe Abbruchquote von fast 30 Prozent lässt sich jedoch nicht allein auf falsche Berufsvorstellungen zurückführen. Viele Berufsstartende haben hohe Erwartungen an Ausbildung und Arbeitgeber. Auffällig ist dabei die Ambivalenz zwischen einem hohen Sicherheitsbedürfnis einerseits und einer abnehmenden Bindung zum Ausbildungsbetrieb andererseits. Sorgen bereitet mir der Anstieg psychischer Erkrankungen. Die Herausforderung für Ausbildende besteht darin, zu erkennen, wann sie motivieren und coachen können und wann externe Unterstützung notwendig ist.

Sie bieten speziell Schulen ein Trainingsheft an, das Schüler*innen die Berufsorientierung erleichtern soll. Ist das etwas Ähnliches wie der Berufswahlpass, den es ja auch in allen Bundesländern gibt?

Beides sind wirksame Instrumente, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte. Unser Trainingsheft NEXT LEVEL verbindet ein klassisches Arbeitsheft mit interaktiven Online-Inhalten. Es begleitet Schüler*innen entlang des gesamten Berufswahlprozesses – von der Stärkenanalyse über die Berufs- und Studienwahl bis hin zum Bewerbungsverfahren und dem Ausbildungsstart. Schulklassen schätzen besonders die praxisnahen Inhalte wie Checklisten und Gesprächsleitfäden, etwa zur Vorbereitung auf Telefonate oder Vorstellungsgespräche.

Sie zertifizieren die Ausbildung von Unternehmen. Was bringt das einem Ausbildungsbetrieb? Dass sich mehr Leute bewerben?

Richtig, mehr Bewerbungen sind ein wichtiger Aspekt. Noch wichtiger sind mehr Bewerbungen von fokussierten Kandidaten, die gefordert und gefördert werden möchten, und nach einem Ausbildungspartner suchen, der sie kompetent qualifiziert. Die goldene BEST PLACE TO LEARN-Krone kennzeichnet genau solche Top-Ausbildungsbetriebe. Im Mittelpunkt des Audits steht die Frage, wie gut Ausbildung tatsächlich gelebt wird. Dafür holen wir Feedback von Azubis, ehemaligen Azubis und Ausbildungsverantwortlichen ein. Unternehmen erhalten im Gegenzug ein authentisches Bild ihrer Stärken und Entwicklungspotenziale. Die Zertifizierung wird so zum Startpunkt für die systematische Weiterentwicklung der Ausbildungsqualität.

Deutschland steuert auf einen riesigen Fachkräftemangel zu, wird das Ihr Geschäft noch einmal nachhaltig verändern?

Es passiert bereits genau jetzt. Neu ist, dass KI und Automatisierung als Brandbeschleuniger für Innovation und Diruption wirken. Die Halbwertszeit von Fachwissen sinkt, Berufsbilder und Ausbildungsinhalte müssen kontinuierlich angepasst werden. Einige Berufe verschwinden, gleichzeitig entstehen neue. Tröstlich finde ich, dass bislang jeder technologische Fortschritt mehr Jobs kreiert als gekillt hat. Wenn Eltern ihre Kinder künftig fragen „Was möchtest du einmal werden?“, könnte die ehrliche Antwort lauten: „Keine Ahnung – die Berufe gibt es heute doch noch gar nicht.“ Als Jugendlicher hätte ich mich über diese Antwortoption gefreut.

www.aubi-plus.de
www.bestplacetolearn.de
www.deutsches-ausbildungsforum.de

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