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Übergangssystem
„Jeder junge Mensch sollte am Übergang eine feste Ansprechperson haben“

Das sogenannte Übergangssystem in Deutschland sorgt dafür, dass Schulabgänger*innen ohne Ausbildungs- oder Studienplatz weitere Bildungsangebote und Programme nutzen, die ihre Ausbildungsreife stärken sollen. Die Bertelsmann-Stiftung und die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung haben gemeinsam mit Fach-, Führungskräften und jungen Menschen Vorschläge zur Weiterentwicklung des Übergangssektors erarbeitet. Ein Gespräch mit Mitautorin Helen Renk.

Frau Renk, jährlich beginnen über eine Viertelmillion junger Menschen eine Maßnahme im Übergangssektor. Sie haben jetzt einige von ihnen, aber auch Fach- und Leitungskräfte befragt, wo es Verbesserungsbedarf gibt. Wie kam es zu dieser Untersuchung?

Den Ruf nach einer Reform des Übergangssektors gibt es seit Jahren. Völlig zurecht, weil von den vielen jungen Menschen im Übergangssektor nur etwa zwei Drittel tatsächlich den Übergang in eine vollqualifizierende Ausbildung schaffen. Und die meisten erst nach drei Jahren. Wir wollten die aktuelle Reformdebatte um drei praxisnahe Perspektiven erweitern, die sonst kaum zu Wort kommen. Denn für wirksame Veränderungsimpulse sollten wir immer diejenigen einbeziehen, die direkt betroffen und involviert sind.

Sie sagen es, seit vielen Jahren gibt es immer wieder Kritik an diesem System, warum ist eine Reform so schwierig?

Der Übergangssektor ist ein stark fragmentiertes Gefüge mit einer großen Vielzahl an Angeboten, Akteuren und Regeln, über dessen Wirksamkeit wir nach wie vor zu wenig wissen. Fest steht allerdings, dass unterschiedliche Zuständigkeiten, kurzfristige Projektförderungen und nebeneinanderstehende Maßnahmen eine verlässliche, kontinuierliche Begleitung junger Menschen erschweren. Eine Reform ist auch deshalb so anspruchsvoll, weil sie viele Institutionen und Teilbereiche – von Schulen über Arbeitsverwaltung und Jugendhilfe bis hin zu Betrieben – adressieren und in die Verantwortung nehmen muss.

Welchen Eindruck hatten Sie bei der Befragung derjenigen, die mit dem Übergangssystem beruflich zu tun haben? Überwiegen Skepsis oder Hoffnung darauf, dass sich etwas bessert?

Es war auf jeden Fall nicht schwer, mit ihnen über die Herausforderungen und den Veränderungsbedarf ins Gespräch zu kommen. Mich hat beeindruckt, mit wie viel Herzblut, Professionalität und mit welcher klaren Haltung sich die Leitungen und Fachkräfte für junge Menschen einsetzen. Ein Schwerpunkt bei den Führungskräften lag eindeutig auf der strukturellen Steuerung und Finanzierung. Im „Maßnahmen-Dschungel“ des Übergangssektors fehlt die ganzheitliche Steuerung. Darüber hinaus braucht es eine stabile Regelfinanzierung.

Bei aller Kritik: Was funktioniert bislang ganz gut?

Da denke ich sofort an den Workshop mit den Fachkräften. Ihre Rückmeldung lautete nicht, es sei alles schlecht und perspektivlos im Übergangssektor, sondern: Wir wissen, was die Jugendlichen brauchen und welches Potenzial in unserer Arbeit steckt, aber wir brauchen mehr Zeit, weniger starre Vorgaben und klare Verantwortlichkeiten, dann könnten wir mehr junge Menschen besser und wirksamer unterstützen.

Sie schreiben, dass vor allem auch die Betriebe gefragt sind, wenn das Angebot an die Jugendlichen verbessert werden soll. Welche Punkte stehen hier ganz oben auf der Liste?

Da geht es um zwei Aspekte. Zum einen müssen Betriebe eine verbindliche Rolle bei der Berufsorientierung einnehmen. Jugendliche sollten möglichst früh und möglichst häufig echte „Touchpoints“ mit der betrieblichen Praxis haben. Nur so können sie eine informierte und fundierte Berufswahl treffen. Und dann brauchen wir verlässliche Ausbildungschancen für alle jungen Menschen. Gerade formal niedrig Qualifizierte leiden unter dem rückläufigen Ausbildungsangebot. Wir brauchen also ein ausreichendes Angebot und Unternehmen, die bei der Ausbildung junger Menschen mit besonderem Förderbedarf die nötige Unterstützung erhalten.

Wo würden Sie als erstes ansetzen, wenn Sie könnten? Was ließe sich unkompliziert und damit auch schneller umsetzen?

Am wichtigsten erscheint mir, dass wir eine individuelle Begleitstruktur implementieren. Ich würde mich dafür einsetzten, dass jeder junge Mensch am Übergang eine feste Ansprechperson bekommt. Diesen Aspekt teilen im Übrigen alle: Leitungen, Fachkräfte und die jungen Menschen selbst. Eine kontinuierliche Begleitung ließe sich verhältnismäßig schnell umsetzen, indem bestehende Beratungs- und Unterstützungsangebote besser miteinander verzahnt und Zuständigkeiten klar geregelt werden. Dadurch müssten sich die Jugendlichen nicht immer wieder neu orientieren und erklären.

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