Initiative Klischeefrei
„Jugendliche sollen Berufe nach ihren Stärken auswählen – nicht nach Klischees“

Geschlechterklischees wirken sich massiv auf die Berufs- und Studienwahl aus. Dies führte dazu, dass es auch in Deutschland einen stark nach Geschlecht aufgeteilten Arbeitsmarkt gibt. Die mit Bundesmitteln geförderte Initiative Klischeefrei hat eine Reihe von Angeboten entwickelt, die dem entgegenwirken sollen. Wie genau, erläuterte im Gespräch Miguel Diaz, er ist Leiter der Servicestelle.
Herr Diaz, warum spielen Geschlechterklischees bei der Berufswahl noch immer eine Rolle?
Vorstellungen darüber, was angeblich zu Mädchen oder Jungen passt, entstehen sehr früh. Das betrifft auch Berufe. Jugendliche ziehen deshalb manche Möglichkeiten gar nicht erst in Betracht, obwohl diese zu ihren Interessen und Fähigkeiten passen könnten. Berufsorientierung sollte den Blick weiten. Sie soll Jugendliche dabei unterstützen, ihre Vorstellungen zu prüfen und informiert zu entscheiden. Jugendliche sollen Berufe nach ihren Stärken auswählen – nicht nach Klischees.
Sie bieten Methodensets für die Berufsorientierung an Schulen an. Was ist die Idee dahinter?
Lehrkräfte können Fragen anstoßen: Warum traue ich mir einen Beruf zu – und einen anderen nicht? Welche Bilder habe ich von technischen, sozialen oder handwerklichen Tätigkeiten? Beruhen sie auf Erfahrungen oder auf Klischees? Solche Gespräche funktionieren besonders gut, wenn Jugendliche selbst Position beziehen und diskutieren.
Wie unterstützt das Methodenset „Klischeefrei macht Schule“ dabei?
Das Set für die Klassen 5 bis 10 enthält zwölf interaktive Unterrichtsmethoden sowie je eine Methode für die Elternarbeit und für schulinterne Entwicklungsprozesse. Alle Einheiten sind ausgearbeitet und einzeln einsetzbar. Angaben zu Lernziel, Dauer, Material und Durchführung sowie Kopiervorlagen erleichtern die Vorbereitung. Die Methoden passen in den Unterricht zur beruflichen Orientierung sowie beispielsweise in Deutsch, Gesellschaftskunde, Politik, Wirtschaft, Religion oder Ethik. Auch Projekttage und Vertretungsstunden bieten sich an. Lehrkräfte wählen aus, was zur Lerngruppe und zum Zeitrahmen passt.
Wie sieht das konkret aus?
Bei „Alles nur Klischee!“ positionieren sich Jugendliche zu zugespitzten Aussagen im Raum. Im Gespräch wird sichtbar, wie Erwartungen an Mädchen und Jungen beeinflussen, was sie sich zutrauen. Die Übung eignet sich ab Klasse 5 und dauert etwa 20 bis 30 Minuten. Bei „Was mache ich beruflich?“ erraten Jugendliche durch Ja-Nein-Fragen verschiedene Berufe. Dabei prüfen sie ihre Annahmen zu Tätigkeiten, Arbeitsumfeld und Stärken. Die Methode dauert etwa 30 bis 45 Minuten. Bei der Werteversteigerung „Mein Beruf – das ist mir wichtig!“ bieten Jugendliche mit Spielgeld etwa auf Teamarbeit, gutes Einkommen oder flexible Arbeitszeiten. Danach diskutieren sie, welche Berufe zu ihren Prioritäten passen. Die Methode eignet sich ab Klasse 7 und dauert etwa 30 bis 45 Minuten.
Reicht eine einzelne Unterrichtsstunde aus?
Eine Unterrichtsstunde wird Geschlechterklischees nicht auflösen, kann aber einen Denkprozess anstoßen. Nachhaltiger wird es, wenn das Thema wiederholt aufgegriffen wird und Eltern sowie das Kollegium einbezogen werden. Deshalb umfasst das Set auch Methoden für die Elternarbeit und die Schulentwicklung.
Welche weiteren Angebote gibt es – und wo kann das Set bestellt werden?
Für einen spielerischen Einstieg gibt es das Klischeefrei-Quiz als Online-Spiel und klickbare PDF. Ein Infoblatt unterstützt bei Elternabenden. Auf klischee-frei.de stehen außerdem die Methoden zum Download sowie Faktenblätter, Videos und Hintergrundinformationen bereit. Für Fachkräfte gibt es den kostenfreien E-Learning-Kurs „Klischeefrei zu Berufen beraten“. „Klischeefrei macht Schule“ kann kostenfrei und ohne Versandkosten im Materialcenter bestellt werden. Ein Set pro Klasse oder Lerngruppe ist in der Regel ausreichend. Mein Vorschlag: eine Methode auswählen und ausprobieren. Klischeefreie Berufsorientierung beginnt mit der Bereitschaft, vertraute Vorstellungen gemeinsam zu hinterfragen.
Weitere Informationen und kostenfreie Downloads: www.klischee-frei.de
© Foto: Samantha Franson
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