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Studienintegrierende Ausbildung
„SiA spricht Karrieretypen und Unentschlossene gleichermaßen an“

Die studienintegrierende Ausbildung ermöglicht jungen Menschen mit Hochschulzugangsberechtigung, eine duale Ausbildung mit einem Bachelorstudium zu kombinieren. Dabei bleiben sie lange flexibel und entscheiden erst nach 12-18 Monaten, ob sie weiterhin den Berufsabschluss oder den Doppelabschluss anstreben möchten. Klingt zu gut, um wahr zu sein. Wir haken nach bei Jörg Gleißner. Er leitet sowohl die Geschäftsstelle SiA-NRW als auch ein Berufskolleg in Essen, das eine SiA Fachinformatik anbietet.

Herr Gleißner, Azubis können eine studienintegrierende Ausbildung beginnen, ohne sich gleich von Beginn auf einen Abschluss festlegen zu müssen. Ist denn ein offenes Ziel besser als ein konkretes?

Der große Vorteil der studienintegrierenden Ausbildung ist, dass sie zwei Zielgruppen gleichermaßen anspricht: Die Karrieretypen, deren konkretes Ziel „Doppelabschluss“ in nur vier Jahren erreichbar ist, und die Unentschlossenen, die ganz ergebnisoffen herangehen, zunächst Erfahrungen sammeln und daraus ihr konkretes Ziel ableiten. Zum Ende der Grundphase hat jede/r das zu seinen Talenten und Neigungen passende Ziel, ohne die Erfahrung eines Abbruchs und eines Neubeginns gemacht haben zu müssen. Die SiA bietet eine bewusste, erfahrungsbasierte Bildungswegentscheidung.

Welche Ausbildungen werden denn bereits studienintegrierend angeboten?

Das Angebot wächst stetig und soll zukünftig in ganz Nordrhein-Westfalen verfügbar sein.
Es gibt bereits studienintegrierende Ausbildungen in kaufmännischen Berufen, zum Beispiel für Büromanagement oder für Spedition und Logistikdienstleistung, aber auch in gewerblich-technischen Berufen wie Fachinformatiker:in oder Industriemechaniker:in. Unsere Website wird täglich aktualisiert, hier findet sich neben einer Übersicht über die SiA-Bildungsgänge auch Links zu Stellenangeboten und Kooperationsunternehmen.

Apropos Unternehmen: Wer eine SiA machen möchte, benötigt einen Ausbildungsbetrieb, der diese Flexibilität mitträgt. Ist das nicht eine besondere Herausforderung für manche Unternehmen?

Unternehmer und Ausbilder erkennen schon ihre Chance, hochqualifizierten Jugendlichen mit der SiA ein attraktives Ausbildungsangebot unterbreiten zu können und sie im eigenen Betrieb zu Fach- und Führungskräften zu entwickeln. Ich denke, sowohl den Auszubildenden als auch dem Unternehmen ist daran gelegen, das volle Potential zu entwickeln und ein zukunftsfähiges Arbeitsverhältnis zu schaffen. Die Erfahrung aus drei Jahren SiA-NRW zeigt uns: Die teilnehmenden Unternehmen – mittelständische wie marktführende – halten an diesem Modell fest, da die Potenzialentwicklung für sie aufgeht.

Ist es für die Auszubildenden nicht anstrengend, mehrere Eisen im Feuer zu haben?

Eine studienintegrierende Ausbildung ist herausfordernd, keine Frage. Wir brauchen hochqualifizierte Fachkräfte mit hybriden Kompetenzen – und zwar so schnell wie möglich. Zwei wesentliche Merkmale dieses Modells reduzieren die Anstrengung jedoch wesentlich: Erstens sind Ausbildung und Studium organisatorisch und inhaltlich detailliert aufeinander abgestimmt, sodass der zeitliche Aufwand mit dem einer regulären Arbeitswoche vergleichbar ist. Zweitens gehört zu jeder SiA ein begleitendes Coaching, bei dem die Auszubildenden zu verschiedenen Themen wie z.B. Selbstorganisation geschult werden und auch hinsichtlich ihrer Bildungswegentscheidung beraten werden. Allein das Gefühl von Unterstützung kann enorm entlastend sein.

Wie empfinden die Auszubildenden denn ihr Arbeitspensum, bekommen Sie Rückmeldung?

Ja, die wissenschaftliche Begleitung des Projekts spiegelt uns Ergebnisse aus ihren Befragungen: Die Auszubildenden empfinden das Lernen in den drei Lernorten als herausfordernd und abwechslungsreich. Die meisten entscheiden sich für den Kern des Modells, den Doppelabschluss, und die Ersten werden ihn schon bald erreichen.

Danke für das Gespräch, Herr Gleißner!

SiA-Bildungsgänge und interessierte Unternehmen finden Sie unter: www.sia-nrw.de

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