DIHK: Ausbildungsumfrage 2026
„Die Wohnungsfrage bei Azubis wird zum Standortfaktor“

Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) hat rund 14.000 Unternehmen nach ihren Plänen und Erfahrungen rund um die Ausbildung gefragt. Die Betriebe brauchen dringend Nachwuchs, dennoch hat ein knappes Drittel der Betriebe das Ausbildungsangebot zurückgefahren. Über die Hintergründe sprachen wir mit Referatsleiterin Jana Heiberger.
Frau Heiberger, viele Unternehmen bauen angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheiten Personal ab, entsprechend halten sich Betriebe dann auch bei der Ausbildung zurück. Auf der anderen Seite nimmt die Zahl derer zu, die Ausbildungsplätze erst gar nicht besetzen können, was sich angesichts des demografischen Wandels demnächst noch verschlimmern dürfte. Wie heftig wird der Personalmangel ausfallen, wenn die Wirtschaft wieder anzieht?
Der Fachkräftemangel wird sich mit einer wirtschaftlichen Erholung voraussichtlich wieder verschärfen. Schon heute haben viele Unternehmen trotz schwacher Konjunktur Schwierigkeiten, Ausbildungsplätze und offene Stellen zu besetzen. Fast jeder zweite Betrieb konnte zuletzt nicht alle Ausbildungsplätze vergeben. Wenn die Wirtschaft wieder wächst, trifft eine steigende Nachfrage nach Arbeitskräften auf immer weniger verfügbare Erwerbspersonen. Deshalb ist Fachkräftesicherung keine Aufgabe für bessere Zeiten. Unternehmen, die heute ausbilden und sich in der Berufsorientierung engagieren, investieren in ihre Wettbewerbsfähigkeit von morgen.
Sie haben über die Befragung bei zwei Punkten besonders große Probleme identifizieren können. Der erste: Zwei Drittel der Unternehmen halten die Bewerber*innen nicht für geeignet. Müssten sich manche Unternehmen dann nicht auch mal an die eigene Nase packen und sagen: Dann machen wir es über „Learning by Doing“ und etwas Nachhilfe bei wichtigen Fächern eben passend?
Learning by Doing ist Teil der dualen Ausbildung. Viele Unternehmen geben jungen Menschen mit Startschwierigkeiten eine Chance und unterstützen sie durch Nachhilfe oder eine engmaschige Begleitung. Drei von vier Betrieben, die Defizite bei Schulabgängern feststellen, sind dennoch bereit, diese auszubilden. Gleichzeitig sind die Möglichkeiten der Betriebe begrenzt. Fehlende Grundkompetenzen im Lesen, Schreiben, Rechnen oder Arbeits- und Sozialverhalten können sie nicht dauerhaft kompensieren. Deshalb braucht es ein Bildungssystem, das allen jungen Menschen die notwendigen Basiskompetenzen vermittelt.
Eine große Mehrheit der Befragten wies darauf hin, dass es zu wenig bezahlbaren Wohnraum für Azubis gibt. Auch in diesem Punkt könnten manche Betriebe doch Eigeninitiative zeigen, indem sie Zuschüsse und Bürgschaften anbieten oder auch bei der Suche helfen, oder?
Die Wohnungsfrage wird zunehmend zum Standortfaktor. Fast zwei Drittel der Betriebe sehen beim Wohnraum für Auszubildende Handlungsbedarf. Viele Betriebe sehen die Relevanz des Themas, unterstützen ihre Azubis bei der Wohnungssuche, vermitteln Kontakte oder Informationen zu finanziellen Hilfen oder zahlen Zuschüssen. Aber sie können das nicht allein lösen. Bezahlbarer Wohnraum ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Gerade kleine und mittlere Unternehmen stoßen hier an ihre Grenzen. Es braucht mehr bezahlbaren Wohnraum, mehr Azubi-Wohnheime und weniger Bürokratie beim Zugang zu Unterstützungsleistungen.
Interessant finde ich, dass laut DIHK-Befragung rund jeder dritte Betrieb schon versucht hat, Bewerber*innen aus sogenannten Drittstaaten zu bekommen, also aus Ländern, die weder der Europäischen Union (EU) noch dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) angehören. Wie sieht da das Fazit aus, gelingt das?
Unsere Ausbildungsumfrage zeigt: mehr als jeder zweite Betrieb sieht Azubis aus Drittstaaten als Chance für die eigene Fachkräftesicherung, rund ein Drittel der Betriebe hat schon versucht, Auszubildende aus Drittstaaten einzustellen und 90 Prozent dieser Betriebe waren dabei erfolgreich. Das zeigt, es lohnt sich. Die größten Herausforderungen bleiben Bürokratie, fehlende Deutschkenntnisse sowie bezahlbarer Wohnraum.
Zur DIHK-Ausbildungsumfrage 2026
© Foto: DIHK / Paul Aidan Perry
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