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Neue Angebote bei "zynd"
„Berufsorientierung braucht mehr als Information“

Das Portal „zynd“ unterstützt Fach- und Lehrkräfte dabei, junge Menschen bei der Beruflichen Orientierung und am Übergang von der Schule in den Beruf zu begleiten. Was hat sich seit Start von zynd im Jahr 2024 getan? Welche Rolle spielen die sogenannten Playlets und wie werden Fachkräfte in der Praxis unterstützt? Wir fragten nach bei Frank Neises, dem Leiter der Fachstelle für Übergänge in Ausbildung und Beruf beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB).

Herr Neises, welchen Mehrwert kann ein digitales Angebot wie zynd bei der Berufsorientierung bieten?

Digitale Medien und spielerische Formate gehören zur Lebenswelt der allermeisten jungen Menschen. Genau daran knüpft zynd an. Wir bieten auf der Plattform sogenannte Playlets an, das sind interaktive und spielerische Tools, mit denen sich Jugendliche ausprobieren und mit ihren Interessen, Werten und Vorstellungen auseinandersetzen können. Für mich ist das Entscheidende aber, dass solche Erfahrungen nicht für sich stehen. Sie können ein Gespräch anstoßen sei es mit der Fachkraft oder Personen aus dem direkten Umfeld – und können damit Teil eines größeren Berufsorientierungsprozesses werden.

Wurde das Angebot von zynd in den vergangenen zwei Jahren noch in anderen Punkten verändert oder ergänzt?

Das Angebot von zynd wird stetig weiterentwickelt und an den Bedarfen von Jugendlichen, Fachkräften sowie den Akteuren von Bund und Ländern ausgerichtet. So wurde neben einem Playlet zum Thema Werte auch ein sehr niedrigschwelliger Interessentest entwickelt, der mit Bildern und Grafiken arbeitet. Wir wollen aber nicht nur das Angebot erweitern, sondern es möglichst konkret für den pädagogischen Einsatz aufbereiten und dazu begleitende Materialien anbieten. Auch aktuelle Themen greifen wir auf, etwa in Artikeln in unserem Magazyn und unserer Podcastreihe.

Wie können Fachkräfte die digitalen Angebote von zynd pädagogisch begleiten?

Die Playlets orientieren sich an zentralen Fragen im Berufsorientierungsprozess. Fachkräfte können damit unterschiedliche Phasen aufgreifen und an den jeweiligen Stand der Jugendlichen anknüpfen. Sie wählen passende Angebote aus, geben einen Rahmen und ordnen die Erfahrungen anschließend gemeinsam mit den Jugendlichen ein. Zynd lässt sich in pädagogische Prozesse integrieren und bietet einen Ausgangspunkt für Reflexion und individuelle Begleitung.

Fachkräfte haben im Alltag oft wenig Zeit für die Vorbereitung. Wie unterstützt zynd sie dabei, die Angebote in ihrer Arbeit einzusetzen?

Für die Vorbereitung gibt es zu den Playlets Handreichungen, Nutzungskonzepte und fertige Unterrichtseinheiten. Sie zeigen Einsatzmöglichkeiten, Zeitaufwand und Möglichkeiten der pädagogischen Begleitung, ob in der Beratung, in Gruppensettings oder im Schulunterricht. Fachkräfte können damit direkt auf fertige Materialien zurückgreifen.

Welche weiteren Angebote gibt es für Fachkräfte, die zynd kennenlernen und für ihre Arbeit nutzen möchten?

Zusätzlich bietet zynd einen geschlossenen Bereich für die digitale Zusammenarbeit mit Jugendlichen. Dort können sie Gruppen anlegen, Einzelcoachings durchführen, Dateien ablegen, Notizen führen und Aktivitäten moderieren. Für Videokonferenzen steht BigBlueButton zur Verfügung. Im vierten Quartal starten außerdem Fortbildungen für Fachkräfte von Bildungsträgern zum Einsatz von zynd.

Die Arbeitswelt verändert sich, gleichzeitig stehen junge Menschen vor neuen Herausforderungen. Was bedeutet das ganz allgemein für die Berufsorientierung?

Berufsorientierung muss heute mehr leisten, als über Berufe und Ausbildungswege zu informieren. Junge Menschen müssen sich in einer Arbeitswelt orientieren, die sich derzeit stark verändert. Die aktuellen Entwicklungen rund um KI sind dafür ein Beispiel. Deshalb geht es auch darum, Jugendliche dabei zu unterstützen, sich selbst besser kennenzulernen: Was interessiert mich? Was kann ich gut? Was ist mir wichtig? Und welche Möglichkeiten gibt es überhaupt? Berufsorientierung sollte Raum geben, solche Fragen zu stellen, Dinge auszuprobieren und eigene Erfahrungen zu sammeln. Auch Umwege und Neuorientierung gehören dazu. Der einzelne junge Mensch sollte dabei im Mittelpunkt stehen. Es geht um biografische Selbstreflexion, eigene Erfahrungen und Selbstwirksamkeit sowie Stärkung der Entscheidungsfähigkeit.

zynd ist ein Portal des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) und wird vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) gefördert.

Die kostenfreien Materialien zu den Playlets findet ihr unter:
zynd.de/fuer-fachkraefte

© Foto: Hendrik Müller

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