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Vorgestellt: Berufecasting Stuttgart
Wenn Berufsorientierung zum Erlebnis wird

Während klassische Berufsorientierung häufig auf Informationsveranstaltungen, Messen oder Praktikumsberichte beschränkt bleibt, verfolgt das Stuttgarter Projekt einen anderen Ansatz: Jugendliche sollen Berufe nicht nur kennenlernen, sondern unmittelbar erleben. Ein Bericht von Felix Winkler, er ist Geschäftsführende Schulleiter der beruflichen Schulen der Stadt Stuttgart.

„Mach doch, was DU willst!“ – mit diesem Motto setzt das Berufecasting Stuttgart seit 2023 ein Zeichen in einer Zeit, in der viele Jugendliche vor einer kaum überschaubaren Vielzahl an Bildungs- und Berufswegen stehen. Das Konzept ist ebenso einfach wie wirkungsvoll. Schülerinnen und Schüler der neunten Klassen besuchen berufliche Schulen in Stuttgart und nehmen dort an praxisorientierten Workshops teil. Gemeinsam mit Auszubildenden, Lehrkräften und Ausbilderinnen und Ausbildern erhalten sie Einblicke in reale Arbeitsprozesse und Ausbildungsinhalte. Statt theoretischer Informationen stehen praktische Erfahrungen im Mittelpunkt. Die Jugendlichen löten Schaltungen, gestalten Medienprodukte, testen handwerkliche Tätigkeiten oder lernen soziale Berufe durch konkrete Mitmachangebote kennen.

Die Bandbreite der vorgestellten Ausbildungsberufe ist dabei beeindruckend. Rund 80 Berufe aus technischen, handwerklichen, kaufmännischen, sozialen und kreativen Bereichen stehen zur Auswahl. Vom Fachinformatiker über die Mechatronikerin, den Mediengestalter oder die Erzieherin bis hin zum Orthopädietechnik-Mechaniker reicht das Spektrum. Dadurch erhalten die Jugendlichen die Möglichkeit, auch Berufsfelder kennenzulernen, die in ihrem unmittelbaren Umfeld oftmals wenig sichtbar sind. Besonders bemerkenswert ist die Größenordnung des Projekts. Im Jahr 2026 nahmen knapp 1.500 Schülerinnen und Schüler aus 72 Stuttgarter Schulen teil. Sie erhielten zusammen mit 300 begleitenden Lehrkräften Einblicke in 80 Berufsbilder. Damit gehört das Berufecasting zu den größten kommunalen Initiativen zur praxisnahen Berufsorientierung in Deutschland.

Vorteile für beide Seiten

Die Resonanz der Beteiligten zeigt, dass unser Konzept einen Nerv trifft. Lehrkräfte berichten von einer hohen Motivation der Schülerinnen und Schüler und betonen den unmittelbaren Nutzen der Veranstaltungen. Teilweise führten die Erfahrungen sogar dazu, dass sich Jugendliche bereits kurz nach den Workshops für vorgestellte Ausbildungsberufe bewarben. Die Rückmeldungen heben insbesondere die Praxisnähe, die authentischen Begegnungen mit Auszubildenden sowie die Möglichkeit hervor, berufliche Tätigkeiten selbst auszuprobieren. Für die beruflichen Schulen eröffnet das Projekt gleichzeitig neue Chancen. Sie präsentieren sich nicht nur als Lernorte, sondern als moderne Kompetenzzentren mit engem Bezug zur Arbeitswelt. Die Schülerinnen und Schüler erleben zusammen mit den begleitenden Lehrkräften die Schulen in einer ungezwungenen Atmosphäre und erhalten einen realistischen Eindruck von Ausbildung, Berufspraxis und beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten. Dadurch werden Vorurteile abgebaut und die Attraktivität beruflicher Bildungswege gestärkt.

Breites Netzwerk

Das Berufecasting kommt zudem zu einem wichtigen Zeitpunkt. Projekte wie diese leisten einen wichtigen Beitrag dazu, die Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung sichtbar zu machen. Sie schaffen Orientierung, fördern informierte Berufswahlentscheidungen und stärken die Verbindung zwischen Schule, Ausbildung und Wirtschaft. Der Erfolg des Projekts beruht dabei auf einem breiten Netzwerk. Berufliche Schulen, Schulverwaltung, Wirtschaftsakteure, Handwerksorganisationen und weitere Bildungspartner arbeiten eng zusammen. Diese Kooperation ermöglicht ein Angebot, das weit über einzelne Berufsinfotage hinausgeht und den Jugendlichen nachhaltige Erfahrungen vermittelt.

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