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KAUSA: Mehr Ausbildungschancen
„Den Unternehmen wird immer klarer, wieviel Motivation und Potential Zugewanderte mitbringen“

Seit 2021 gibt es in zehn Bundesländern KAUSA-Landesstellen. Ziel der vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugendliche (BMBFSFJ) geförderten Projekte ist es, die Ausbildungsbeteiligung von jungen Menschen mit Einwanderungsgeschichte und damit ihre berufliche und gesellschaftliche Integration zu fördern. Zudem soll die Ausbildungsbeteiligung von Unternehmerinnen und Unternehmern mit Einwanderungsgeschichte gestärkt werden. Gespräch mit Gerburg Benneker vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), die das Fachteam „Migration und Flucht“ im Arbeitsbereich „Servicestelle Berufliche Orientierung | Bildungsketten“ koordiniert.

Frau Benneker, welche Ziele und Aufgaben haben die KAUSA-Landesstellen?

Vor 2021 waren die KAUSA-Projekte regional orientiert und vor allem Anlauf- und Beratungsstellen für junge Zugewanderte zum Thema Ausbildung. Mit den „KAUSA-Landesstellen“ gibt es nun eine neue und landesspezifische Ausrichtung der Projekte. Neben der persönlichen Beratung vor Ort bieten sie verstärkt Unterstützung für Multiplikatoren, Organisationen und alle Personen an, die die Zugewanderten beraten oder begleiten. So können die KAUSA-Projekte langfristig mehr erreichen. Die aktuellen Unterstützungsangebote müssen sich darauf einstellen, dass es in den Schulen und im Übergang von der Schule in den Beruf immer mehr junge Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern und mit verschiedenen Bildungsbiografien gibt.

Was leisten die KAUSA-Landesstellen in den verschiedenen Bundesländern? Können Sie uns Beispiele nennen?

Die KAUSA-Landesstellen erweitern unter anderem den migrationssensiblen Charakter von bestehenden Angeboten und die Kompetenzen von Beratenden. Dafür hat die KAUSA-Landesstelle in Niedersachsen beispielsweise die Materialien „Wege in den Beruf“ entwickelt, die in Schulen eingesetzt werden. Ein Plakat, eine interaktive Online-Version und ein Flyer informieren anschaulich und mehrsprachig über das Schul- und Ausbildungssystem. Mit Unterstützung des Landes bietet das Projekt auch Lehrerfortbildungen an und fördert so die interkulturellen Kompetenzen in den Schulen. Die KAUSA-Landesstelle Hamburg hilft der Jugendberufsagentur dabei zugewanderte Eltern zu erreichen. Die mehrsprachigen digitalen Infoabende für Eltern, die die KAUSA-Landesstelle entwickelt hat, sollen von der Jugendberufsagentur in Kooperation übernommen und mit migrantischen Communitys in Hamburg durchgeführt werden. Wie Lehrkräfte von Integrationskursen ihre Teilnehmenden gut über das Ausbildungssystem informieren können, vermittelt die KAUSA-Landesstelle Bayern in speziellen Schulungen.

KAUSA ist Teil der Initiative Bildungsketten. Was bedeutet das und warum gibt es unterschiedliche Schwerpunkte der KAUSA-Landestellen?

Mit der Initiative Bildungsketten vereinbaren der Bund und die beteiligten Länder gemeinsame Strategien und Maßnahmen, um junge Menschen bestmöglich bei der Beruflichen Orientierung und ihrem Berufseinstieg zu unterstützen. Bei jedem Ziel werden die landesspezifischen Herausforderungen und bereits vorhandenen Unterstützungsangebote berücksichtigt. Im Bereich Migration gibt es erhebliche Unterschiede unter den Bundesländern. In Nordrhein-Westfalen gibt es zum Beispiel seit ziemlich langer Zeit einen hohen Migrationsanteil. Viele Beratungskräfte haben also bereits Erfahrungen gesammelt. Deshalb konzentriert sich die KAUSA-Landesstelle in Nordrhein-Westfalen vor allem auf migrantengeführte Betriebe und berät sie zum Thema Ausbildung. Die östlichen Bundesländer haben dagegen einen anderen historischen Hintergrund. Hier bieten die KAUSA-Landesstellen insbesondere niedrigschwellige Beratung für Migrantinnen und Migranten an.

Was haben die KAUSA-Landesstellen erreicht? Nach wie vor haben Jugendliche mit Flucht- und Migrationshintergrund es schwerer, eine Ausbildung zu beginnen.

Ja, leider ist das so. Immerhin hat sich in den letzten 10 Jahren der Anteil der Auszubildenden mit Fluchthintergrund mehr als verdoppelt (BIBB-Datenreport 2025, S. 323). Den Unternehmen wird beispielsweise durch die KAUSA-Projekte immer klarer, dass junge Migrantinnen und Migranten viel Motivation und Potential mitbringen. Inzwischen haben sich die KAUSA-Projekte in ihren Bundesländern als Kompetenzstellen zum Thema „Ausbildung und Migration“ etabliert. Hervorzuheben ist ihre wichtige Brückenfunktion zwischen den Institutionen wie Schulen oder Regelinstitutionen der Arbeitsverwaltung und den Zugewanderten selbst oder Migrantenorganisationen.

Wo sehen Sie Herausforderungen und einen besonderen Handlungsbedarf der KAUSA-Landesstellen?

Viele neu zugewanderte Schülerinnen und Schülern können wegen geringem Sprachniveau nur eingeschränkt an den Angeboten der Beruflichen Orientierung teilnehmen. Besonders schwer zu erreichen sind die nicht mehr Schulpflichtigen mit geringen Sprachkenntnissen. Für sie gibt es oft keine Unterstützungsangebote. Das Unterstützungssystem muss sich langfristig auf den hohen Anteil und besonderen Bedarf von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Einwanderungsgeschichte einstellen. Dies ist eine Daueraufgabe und erfordert eine Abstimmung der Angebote sowie den Aufbau von nachhaltigen Kompetenzen auf allen Ebenen und aller Beteiligten. Hier genau setzen die KAUSA-Landesstellen an.

Können sich junge Menschen oder auch Schulen weiterhin direkt an die KAUSA-Landesstellen wenden, wenn sie Unterstützung benötigen?

Ratsuchende können sich gerne bei den KAUSA-Landesstellen melden. Die KAUSA-Mitarbeitenden bieten direkte Unterstützung beziehungsweise wissen, wer vor Ort weiterhelfen kann. Die Schulen können sich zum Beispiel melden, wenn sie wissen wollen, wie sie zugewanderte Eltern erreichen können, oder wenn sie mehrsprachige Materialien zum Thema Ausbildung benötigen. Auf unserer Website bildungsketten.de gibt es unter anderem Linklisten zu Ausbildung und Migration und Publikationen wie den KAUSA Elternratgeber.

bildungsketten.de/kausa

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