Berufsorientierung mit LinkedIn
„Wer neugierig auf die Arbeitswelt ist, gehört genau hierher“

LinkedIn hat im deutschsprachigen Raum über 30 Millionen registrierte Nutzer*innen. Damit ist es auch bei uns die mit Abstand wichtigste Plattform für den Austausch von Menschen rund ums Berufsleben. Aber welche Rolle spielt LinkedIn bei der beruflichen Orientierung? Sollten sich junge Menschen einen Account zulegen? Antworten gab uns Gaby Wasensteiner, Karriere-Expertin bei LinkedIn.
Gaby, früher galt LinkedIn als Business-Plattform, die Berufstätigen vorbehalten war. Ist der Eindruck richtig, dass bei euch inzwischen auch Schüler*innen willkommen sind?
Absolut! Bei uns ist grundsätzlich jeder willkommen, der sich beruflich informieren und weiterentwickeln möchte. Es ist nie zu früh, ein eigenes berufliches Netzwerk aufzubauen. Ein Profil auf LinkedIn ist ein erster Schritt, um Kontakte zu knüpfen und unheimlich viel Wissen aufzusaugen. Wer neugierig auf die Arbeitswelt ist, gehört genau hierher.
Wie kann LinkedIn beim Übergang von der Schule in die Ausbildung oder ins Studium konkret helfen?
Der Übergang von der Schule ins Berufsleben fühlt sich für viele unsicher an. Genau da kann LinkedIn helfen: Du bekommst echte Einblicke in Berufe und Studienwege – direkt von Menschen, die diesen Weg bereits gegangen sind oder gerade gehen. Viele teilen Tipps zu Bewerbungen oder Praktika. Und du siehst, wie unterschiedliche Karrierewege aussehen können. So findest du schnell Inspiration für deinen eigenen Start und baust dir nebenbei ein erstes Netzwerk auf, das dir später weiterhelfen kann.
Dann mal ganz konkret: Ich habe noch keine Idee, was ich später mal machen soll, ich brauche vor allem erst mal Rat, um mich entscheiden zu können. Kann ich bei LinkedIn auch Menschen einfach anschreiben, zum Beispiel um Erkundigungen über eine Branche einzuholen oder mir Karrieretipps zu holen?
Auf jeden Fall! Wichtig ist: lieber gezielt als wahllos. Überleg dir, wer dir wirklich etwas über einen Beruf oder eine Branche erzählen kann, und schreib diese Personen höflich und kurz an. Wenn dir das noch zu direkt ist, kannst du auch kleiner anfangen – zum Beispiel, indem du Beiträge kommentierst, Fragen stellst oder einen eigenen Post verfasst. So kommst du Schritt für Schritt ins Gespräch und bekommst Einblicke, die dir bei deiner Entscheidung wirklich helfen.
Das hört sich gut an. Wenn ich also Lust habe, auf LinkedIn loszulegen – was sind die ersten Schritte?
Ganz einfach: Leg dir ein kostenloses Profil an. Nimm ein Foto, das dich so zeigt, wie du bist – es muss nicht perfekt sein, nur seriös genug für einen beruflichen Kontext. Schreib dann unter deinen Namen ein paar Schlagworte, die dich beschreiben. Und im Infobereich kannst du kurz erzählen, wofür du dich begeisterst, auch wenn du noch keine Berufserfahrung hast. Dann fang an, dein Netzwerk aufzubauen: zuerst Mitschüler:innen oder Leute, die du kennst. Folge außerdem Betrieben, Hochschulen oder Branchen, die dich interessieren. So findest du schnell spannende Personen und kannst dein Netzwerk nach und nach erweitern.
Ich habe es mal mit ganz unterschiedlichen Berufen ausprobiert. Ob ich Klavierbauer, Altenpflege oder Gartenbau eingebe, ich finde fast immer Kontakte von Menschen, die in dem Bereich arbeiten und die man anschreiben könnte. Was sollte man beachten, wenn man das vorhat?
Eine kurze Kontaktanfrage mit einer freundlichen Nachricht ist ein super Einstieg. Wichtig ist, höflich und klar zu sein: Wer bist du, wie bist du auf das Profil gestoßen und warum möchtest du dich austauschen? Sag auch kurz, was du dir erhoffst – zum Beispiel Tipps zum Einstieg oder einen Einblick in den Arbeitsalltag. So kann die Person direkt einschätzen, wie sie dir helfen kann, und deine Anfrage wirkt viel persönlicher.
Welche Möglichkeiten gibt es noch, LinkedIn bei der Suche nach einer Ausbildung oder einem Studium einzusetzen?
LinkedIn ist auch eine super Inspirationsquelle. Du kannst Unternehmen, Hochschulen oder Ausbildungsbetrieben folgen – und vor allem den Menschen, die dort arbeiten oder studieren. In ihren Posts erzählen sie oft ganz offen, wie der Alltag wirklich aussieht und was ihnen auf ihrem Weg geholfen hat. Solche Einblicke findest du in keinem Flyer – und sie helfen dir, ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Richtung gut zu dir passen könnte.
Wie war das bei dir? Wolltest du schon immer bei einem sozialen Netzwerk arbeiten? Und ist es für dich ein Traumjob?
Mir ging es wie vielen: Ich wusste zwar, was ich studieren wollte, aber nach dem Studium war ich etwas orientierungslos. Ich habe dann einfach viel ausprobiert. So konnte ich lernen, was ich wollte, aber auch was ich nicht wollte, und dabei viel Erfahrung sammeln, um am Ende dann bei LinkedIn und meinem Traumjob zu landen. Am meisten Freude macht es mir, anderen Türen zu öffnen und Menschen dabei zu unterstützen, ihren beruflichen Weg zu finden. Das ist einfach ein tolles Gefühl.
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