Skip links

Modernisierung von Ausbildungsberufen
„Alle Firmen suchen zwar Fachkräfte, doch wird zu wenig Training angeboten“

Wenn sich Technologien ändern, ändern sich auch die Ausbildungspläne in den jeweiligen Berufen. Doch oft erst mit einer Verzögerung von mehreren Jahren. Das ifo-Institut hat sich einmal angeschaut, in welchem Maß sich in Deutschland die Berufsausbildung an den technischen Fortschritt anpasst und welche Effekte dann gemessen werden können. Wir sprachen mit einer Autorin der Studie, Cäcilia vom Baur.

Frau vom Baur, Ihre komplex klingende Berufsbezeichnung lautet: „Big Data Junior Research Group Leader“. Bitte daher zunächst die Frage: Was genau ist Ihr Job?

Ich leite eine Nachwuchsforschungsgruppe, die volkswirtschaftliche Fragestellungen mithilfe großer Datensätze beantwortet.

Dann wäre das geklärt! Jetzt zum Thema. Sie haben im Team untersucht, wie es um die Ausbildung in Deutschland bestellt ist, was die Modernität oder Aktualität ihrer Ausbildungsinhalte betrifft. Was hat Sie nach Abschluss der Studie am meisten überrascht?

In Deutschland wird das Ausbildungssystem viel kritisiert; im Ausland werden wir aber sehr darum beneidet. Je mehr wir uns mit dem Thema befasst haben, desto begeisterter war ich, was für ein ausgeklügeltes System es ist.

Sie sind der Frage nachgegangen, ob unsere Beschäftigten so ausgebildet werden, dass sie mit dem technologischen Fortschritt auch mithalten können. Ist es nicht so, dass die Firmen ohnehin meist selbst dafür sorgen, dass ihre Arbeitnehmer up-to-date sind? Einfach durch ein Training im Job?

Leider nein. Tatsächlich ist es so, dass zwar alle Firmen Fachkräfte suchen, doch wird zu wenig Training angeboten. Häufig lohnt es sich für Firmen nicht, in Training zu investieren, weil die gut ausgebildeten Fachkräfte sonst abgeworben werden. Deswegen macht so ein geregeltes System wie das deutsche Ausbildungssystem Sinn, wo Firmen vorgeschrieben wird, welche Inhalte sie ausbilden müssen.

Wie lautet das Fazit Ihrer Studie? Warum sollten bzw. müssten sich Ausbildungsinhalte ändern?

Weil Firmen aufgrund von technologischem Wandel neue und andere Fähigkeiten benötigen. Weniger Routinearbeit, mehr Teamarbeit und Problemlösungskompetenzen zum Beispiel. Und wir zeigen, dass sie das auch tun.

Welche Effekte konnten Sie messen, wenn Ausbildungsgänge tatsächlich modernisiert werden?

Azubis, die mit neuen Inhalten ausgebildet wurden verdienen im Schnitt 3.3 Prozent mehr Lohn in den ersten fünf Jahren nach der Ausbildung. Aber auch für die Firma lohnt es sich. Denn die Azubis mit den benötigten Fähigkeiten erlauben es, dass die Firma in neue Technologien investiert. Wer hingegen verliert, sind ältere Fachkräfte: Sie haben nicht mehr aktuell benötigte Fähigkeiten und müssen Lohneinbußen hinnehmen. Das deutet darauf hin, dass sich nicht genug weitergebildet werden.

Letztendlich muss es ja auch bei diesem Thema einmal wieder die Politik richten: Wie lautet die ifo-Bitte an die die Politik? Was müsste sich ändern?

Dazu vielleicht zwei Punkte: Der offensichtliche: Wenn alle außer die älteren Fachkräfte zu profitieren scheinen, dann müssen wir für Rahmenbedingungen sorgen, die dazu führen, dass auch diese weitergebildet werden – oder sich in solche Jobs umsortieren, wo sie gebraucht werden. Der zweite: wir zeigen, dass Änderungen der Ausbildungsverordnungen aufgrund von technologischem Wandel sinnvoll sind. Allerdings gibt es auch genug Änderungen, die aufgrund von bürokratisch-juristischen Anforderungen durchgeführt oder aber auch verschleppt werden. Da gibt es eine Menge Raum für Entschlackung.

ifo.de/DocDL/sd-2026-03-zdg-salomons-etal-berufliche-bildung.pdf

← Zurück

Leave a comment

10 + sechzehn =