
Verbundprojekt VerOnika up!
“Sie sollen hautnah erleben, wie sich akademisches und berufliches Lernen anfühlt”

Seit 2019 gibt es das Verbundprojekt „VerOnika“, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und vom Bundesinstitut für Berufsbildung gefördert wird. Das Projekt entwickelt und erprobt Orientierungsangebote im MINT-Bereich und im Bereich der sozialen Arbeit, bei denen Studium und Ausbildung verzahnt und Vorurteile und Unsicherheiten abgebaut werden sollen. Über das Projekt und die langfristigen Ziele sprachen wir mit Verbundkoordinatorin Brigitta Kinscher.
Frau Kinscher, aktuell gibt es im Rahmen des VerOnika-Projekts drei Orientierungsangebote, in Berlin, in Karlsruhe und in Darmstadt. Wie lange laufen diese Angebote noch?
Aktuell laufen die Programme noch bis Ende 2026. Dann endet die jetzige Förderphase der Initiative Bildungsketten, über die VerOnika finanziert wird.
Und einmal angenommen, die Projekte sind sehr erfolgreich. Was folgt dann daraus? Dass der Staat diese Angebote dann bundesweit etabliert?
Das wäre schön, aber da gibt es leider einen Haken. Orientierungsprogramme sind bisher kein eigenständiges Bildungsformat im deutschen Bildungssystem. An vielen Hochschulen gibt es mittlerweile Orientierungsprogramme, die aber ausschließlich in Richtung Studium orientieren. Das war auch die große Herausforderung in VerOnika, hier Modelle zu entwickeln, um parallel in Ausbildung und Studium zu orientieren. Das ging nur über die Projekförderung, über die die beruflichen Programmteile abdeckt werden und die auch eine persönliche Betreuung der Teilnehmenden ermöglicht. Im VerOnika-Verbund sind Hochschulen und Partner der beruflichen Bildung vertreten, die die Orientierungsprogramme gemeinsam konzipieren und durchführen. Als Modellprojekt werden wir von der FernUniversität in Hagen wissenschaftlich begleitet, die die Gelingensbedingungen verzahnter Orientierungsprogramme untersucht. Um die Programme längerfristig zu etablieren, fehlt es allerdings aktuell an Finanzierungsmodellen, die eine Fortführung außerhalb der Projektförderung ermöglichen.
Die Idee dahinter ist ja auch, dass diese Angebote Hemmschwellen abbauen. Wer also noch nie handwerklich aktiv war, lernt im Projekt die Praxis kennen. Und wen die Hochschulwelt einschüchtert, lernt einen Hörsaal von innen kennen. Alle Maßnahmen sollen dafür sorgen, vorurteilsfrei zu entscheiden. Ist das sozusagen das Kernproblem, welches zu VerOnika führte?
Das ist auf jeden Fall ein wesentlicher Aspekt. Nach wie vor entscheidet in Deutschland in erster Linie die soziale Herkunft darüber, wer ein Studium aufnimmt und wer nicht. Umgekehrt fehlt Schülerinnen und Schülern am Gymnasium häufig der Bezug zur beruflichen Bildung. Da füllen wir eine Lücke. Und es geht darum, Erfahrungen zu machen und hautnah zu erleben, wie sich akademisches und berufliches Lernen anfühlt und dann für sich zu entscheiden, welchen Bildungsweg ich einschlagen will. Und dafür auch Zeit zu haben. Ein weiteres Motiv sind die hohen Abbrecherquoten, sowohl im Studium als auch in der Ausbildung. In beiden Bildungsbereichen liegen diese bei rund einem Drittel. In einem verzahnten Orientierungsprogramm kann ich in mein Wunschstudium schnuppern und sozusagen den Realitätscheck machen. Ebenso für die Ausbildung. In der Probeausbildung bin ich in einem oder mehreren Betrieben, habe Kontakt zu Auszubildenden und erlebe den Betriebsalltag hautnah. Auf Basis dieser Erfahrungen kann dann ganz anders, nämlich erfahrungsbasiert, entschieden werden.
Ist geplant, weitere Projekte ins Leben zu rufen?
Auf jeden Fall! Wir möchten uns gerne in der nächsten Runde der Initiative Bildungsketten engagieren, die in 2027 startet, um das Modell der „verzahnten Orientierungsprogramme“ weiter in die Breite zu tragen. Viele Hochschulen sind interessiert, auch die berufliche Ausbildung in ihre Orientierungsprogramme aufzunehmen, wenn es dafür eine Finanzierung gibt. Und wir haben viel Expertise in der Evaluation und wissenschaftlichen Begleitung der Programme gesammelt. Diese auch für andere Orientierungsprogramme nutzbar zu machen, ist ebenfalls ein Ansatz den wir verfolgen. Die Forschung in diesem Bereich ist eher noch dünn bisher.
Foto: ©DanPetermann