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Eltern in der Beruflichen Orientierung
” Es kommt sehr gut an, wenn Eltern über ihren beruflichen Werdegang sprechen”

Eltern sind bei der Berufsorientierung eine große Hilfe, wenn sie ihr Kind im Prozess unterstützen. Aber können Eltern auch helfen, indem sie ihre eigenen Berufswege vorstellen und über Pro und Kontra der eigenen Berufswahl konkret Auskunft geben? An den Schulen in Baden-Württemberg soll die Elterneinbindung eine wichtigere Rolle spielen. Über Pläne und Maßnahmen auf diesem Weg sprachen wir mit Birgit Otte, Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg.

Frau Otte, im Jahr 2023 einigten sich mehrere Institutionen auf ein „Umsetzungskonzept für eine zukunftsfähigere Berufliche Orientierung in Baden-Württemberg“, wir hatten darüber schon berichtet. In einem Kapitel des Papiers ging es um die Rolle der Eltern. Das Ziel lautete, Eltern zu einem festen Bestandteil in der schulischen BO zu machen. Bekommen Sie Rückmeldungen von Schulen, dass das gelingt?

Ja, an vielen Schulen gelingt das bereits jetzt schon gut. Eltern sind naturgemäß am Wohl ihrer Kinder und somit zu allermeist auch an ihrer beruflichen Zukunft sehr interessiert. Es gibt jedoch auch Fälle, bei denen die Schulen die Eltern nur schwer – oder hinsichtlich der Beruflichen Orientierung auch gar nicht – erreichen. Deshalb werden an einigen Projektschulen im Rahmen des Projektes „BO4P – Stärkung der Elterneinbindung in die Berufliche Orientierung gezielte Maßnahmen zur Einbindung der Eltern entwickelt. “BO4P wird von 2023 bis 2025 im Rahmen der Initiative Bildungsketten in Baden-Württemberg umgesetzt. Die Ergebnisse sollen nach Abschluss des Projektes im Dezember 2025 flächendeckend ins Land getragen werden. Es gibt bereits jetzt schon vielversprechende Fortschritte. Wir wollen künftig auch stärker auf Formen der Elterneinbindung setzen, die die Jugendlichen in ihrer Selbstständigkeit und Selbsttätigkeit stärken. Ein Beispiel hierfür sind Aufgaben zur Reflexion, bei denen Jugendliche eigene Erfolgserlebnisse reflektieren und mit ihren Eltern oder anderen Menschen teilen. Solche Ansätze fördern die Selbstwahrnehmung, stärken die berufliche Entscheidungsfähigkeit und fördern eine zielführende Kommunikation hinsichtlich der Berufswahl innerhalb der Familie. Es ist auf jeden Fall sinnvoll, Eltern so früh wie möglich in die Berufliche Orientierung mit einzubinden. So werden sie für das Thema sensibilisiert, in ihrer beratenden Funktion gestärkt und tragen dazu bei, dass das Thema rechtzeitig und immer wiederkehrend in der Lebenswelt der jungen Menschen genügend Raum bekommt.

Wenn Eltern ihren Kindern zuhause bei der Berufswahl helfen, indem sie ihnen Mut machen und ihnen bei der Recherche unter die Arme greifen, ist das ja oft schon die halbe Miete, das zeigen ja auch viele Umfragen. Eine weitere Idee ist aber, Eltern als konkrete Vorbilder einzusetzen, die über ihre Berufe sprechen können. Wie wird diese Idee an den Schulen verfolgt?

Das Format „Eltern stellen ihre Berufe vor“ gibt es bereits an vielen Schulen und es ist in der Tat ein erfolgreiches und beliebtes Angebot innerhalb der schulischen Maßnahmen der Beruflichen Orientierung. Es kommt bei Schülerinnen und Schülern sehr gut an. Vor allem auch, wenn die Eltern nicht nur ihren Beruf vorstellen, sondern auch über ihren persönlichen beruflichen Werdegang sprechen. Welche Schwierigkeiten mussten sie meistern, welche Stolpersteine gab es vielleicht? Wer oder was hat ihnen geholfen am Ball zu bleiben, um die eigenen Ziele zu verwirklichen? Oft sind es solche Tipps zur Beruflichen Orientierung, neben der Vorstellung der konkreten Berufe, die für Schülerinnen und Schüler, vor allem der Abgangs-und Vorabgangsklassen, sehr hilfreich sind. So können die Schulen die gesammelte Lebenserfahrung der Eltern und somit hilfreiche Erfahrungswerte zur Entscheidungsfindung für Schülerinnen und Schüler zugänglich machen.

Wenn Eltern über sich und ihre Jobs sprechen – wäre es dann nicht sinnvoll, wenn möglichst viele Eltern mitmachen, so dass möglichst viele Eltern möglichst vielen Jugendlichen helfen können? So dass auch eine Art Auswahl an Berufen zur Verfügung steht?

Auf jeden Fall. In der Regel organisieren die Schulen das so, dass möglichst viele Eltern ihren Beruf vorstellen und die Schülerinnen und Schüler mit verschiedenen Eltern ins Gespräch kommen können. Dies ist im Übrigen eine gute Gelegenheit, um auch die Eltern der fünften Klassen in die Bildungspartnerschaft Schule-Elternhaus einzubeziehen und die Bedeutung des Themas Beruflichen Orientierung zu betonen. Im Rahmen des Projektes BO4P entstehen derzeit neue Ideen. So soll beispielsweise eine interaktive Elternseite „Starke Eltern in der BO in BW“ aufgebaut werden, um Eltern stärker einzubinden. Diese bietet unter anderem Informationen zum BO-Prozess an den Schulen, über die Kompetenzen, die Schülerinnen und Schüler für eine fundierte Berufswahl entwickeln sollten sowie einen digitalen Selbstcheck zur elterlichen Berufswahlbegleitung. Die Webseite wird auch Hinweise auf bestehende Angebote wie BOaktiv, die Berufswahlapp und außerschulische Angebote wie die der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit enthalten. Innerhalb des Umsetzungskonzepts für eine bessere Berufliche Orientierung in Baden-Württemberg gibt es überdies das neue Format der Praktikumseinzeltage. Auch hierbei können Eltern gut eingebunden werden, indem sie z.B. Praktikumsplätze oder Betriebsbesichtigungen in ihrem Unternehmen vermitteln. In der weiterentwickelten Verwaltungsvorschrift wird den Eltern und Erziehungsberechtigten nun ein eigener Abschnitt gewidmet, in dem steht, dass sie aktiv mit in die BO-Maßnahmen der Schule eingebunden werden sollen. Im Idealfall sind Vertretungen der Elternschaft sogar Mitglied im BO-Team der Schule.

Sie werden ja sicher manchmal auch über Ihren Job im Ministerium gefragt – sind Sie eine gute Ausbildungsbotschafterin?

Wie so viele meiner Kolleginnen und Kollegen im Ministerium bin ich von Haus aus Lehrerin. Ein wunderschöner Beruf mit vielfältigen Weiterentwicklungsmöglichkeiten, von denen ich sehr gerne erzähle. Wir als Ministerium interessieren uns sehr für den Lehrkräftenachwuchs. Und das Ministerium ist auch selbst Ausbildungsbetrieb. So vielseitig wie die Aufgaben im Ministerium sind, so vielseitig sind auch die Berufsbilder.

Vielen Dank!

bo.zsl-bw.de/,Lde/Startseite/BO4P

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