
Bewerbungsschreiben
„Bei attraktiven Stellen wird eben genau hingeschaut“

Eine Bewerbung ohne Anschreiben? Früher undenkbar, heute nicht mehr in allen Fällen notwendig. Meistens jedoch ist es gewünscht, weil das Anschreiben sehr viel über die Bewerber aussagt. Auf was kommt es in diesem Text aber an, der so wichtig beim Überwinden der nächsten Hürde ist? In Bochum unterhielten wir uns mit Ben Dehn von „Die Bewerbungsschreiber“.
Herr Dehn, Ihre Firma hilft Menschen, die sich bewerben möchten, aber nicht richtig weiterkommen. Wenn Sie jetzt Menschen intensiv beraten oder auch Bewerbungen schreiben – fehlt der Bewerbung dann nicht das Authentische?
Authentizität ist absolut entscheidend. Darum arbeiten wir immer individuell. Die einen wollen telefonieren, andere lieber schreiben – wir passen uns an. Klar kommt es auch vor, dass jemand sagt: „Mir fällt nichts ein, denken Sie sich was aus.“ Das können wir so natürlich nicht übernehmen. Aber mit Erfahrung und gezielten Fragen entwickeln wir trotzdem eine stimmige, ehrliche Bewerbung. Und manchmal kommt dann im Feedback: „Fehlt nicht noch ein ‚hiermit bewerbe ich mich‘?“ – das zeigt, welche Bandbreite an Vorstellungen wir bedienen müssen.
Als es vor Jahren noch mehr Bewerber*innen als Stellen gab, führte eine schlechte Bewerbung direkt zur Absage. Die Zeiten haben sich geändert, muss man sich mit der Bewerbung überhaupt noch richtig Mühe geben?
Auf jeden Fall! Einen Job findet man vielleicht immer. Aber einen guten Job? Dafür muss man sich Mühe geben. Es wird immer andere geben, die genauso motiviert sind. Und bei attraktiven Stellen wird eben weiterhin genau hingeschaut.
Haben Sie mit der Erfahrung einer professionellen Beratungsmannschaft zwei bis drei Geheimtipps für eine gute Bewerbung, die gerade auch jungen Menschen bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz helfen könnten?
Klar. Tipp eins: Google bei der Jobsuche nicht unterschätzen – da findet man auch Stellen, die nur auf Unternehmensseiten veröffentlicht werden. Tipp zwei: Der Lebenslauf. Gerade ohne Berufserfahrung sollte man den schulischen Werdegang ausführlich gestalten: Leistungskurse, Lieblingsfächer, AGs, Projekte, Klassensprecheramt – das alles zeigt, wer man ist. Und wenn kein Anschreiben gefordert ist, sollte der Lebenslauf mehr über die Person hinter der Bewerbung aussagen. Tipp drei: Im Anschreiben bitte nicht den Lebenslauf wiederholen. Stattdessen auf die Stellenanzeige schauen und herausarbeiten, was der Arbeitgeber wirklich sucht. Und zeigen, warum man genau zu diesem Unternehmen möchte – nicht einfach eine Massenbewerbung rausschicken.
Nicht ganz so optimal ist es doch sicher, wenn ich als jugendliche Schulabgänger*in noch nicht so viel in den Lebenslauf schreiben kann, oder? Was tun?
Auch ohne Berufserfahrung gibt es viel zu erzählen. Schulische Schwerpunkte, Hobbys, Sport – wer im Verein aktiv ist, zeigt Teamgeist. Wer Kapitän ist, hat vielleicht schon Führungsqualitäten bewiesen. Fachliches Wissen lässt sich lernen, Charakter und Soft Skills zählen langfristig oft mehr. Am Ende arbeiten Menschen mit Menschen zusammen – da zählt Persönlichkeit.
Was mache ich, wenn meine Deutschkenntnisse schlecht sind? Welchen Weg würden Sie empfehlen? ChatGPT?
KI-Tools wie ChatGPT sind ein guter Startpunkt, besser als starre Vorlagen. Aber Vorsicht: Das generierte Anschreiben muss auch hier zwingend individuell angepasst werden. Viele Arbeitgeber prüfen inzwischen automatisiert, ob ein Anschreiben von einer KI stammt. Wer den Job wirklich will, sollte sich entweder selbst reinhängen oder sich professionelle Unterstützung holen.
Vielen Dank für das Gespräch!
Sehr gerne! Ich bedanke mich ebenfalls und wünsche allen Leserinnen und Lesern viel Erfolg bei ihren Bewerbungen. Ihr packt das!